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Religiöse Feiertage in multikulturellen Migrationsgesellschaften

Deutschland ist sowohl Einwanderungsland, als auch eine multikulturelle Migrationsgesellschaft und somit von einem Pluralismus zahlreicher Ethnien, Kulturen und auch Religionen geprägt. Nicht zuletzt durch die medial sehr kontrovers diskutierte Rede des Bundespräsidenten a.D., Christian Wulff, die er zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit hielt, ist der Begriff der multikulturellen Gesellschaft zum Schlagwort des öffentlichen Diskurses geworden:

„Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das ist unsere christlich-jüdische Geschichte. Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland“

In vielen deutschen Medien wird daher darüber diskutiert, inwieweit religiöse Minderheiten ein Recht auf ihre freie Religionsausübung haben sollten, wenn diese gegen allgemeine Gesetze oder Gebote verstoßen. Darf oder muss die Religionsfreiheit bzw. die freie Religionsausübung also über allgemeinen Gesetzen stehen, sodass religiöse Minderheiten geschützt werden, zugleich aber der gesellschaftliche Frieden und die demokratische Ordnung gewahrt wird ?

Es soll daher anhand der USA und Deutschland verglichen werden, wie unterschiedliche Migrationsgesellschaften mit der Religionsfreiheit und der freien Religionsausübung umgehen. Anhand eines kurzen Beispiels, der religiösen Feiertage, soll der Konflikt, der zwischen dem Staat und der Religion herrscht, kurz dargestellt werden und die Frage beantwortet werden, ob es in Deutschland nicht einer strengeren Trennung zwischen Staat und Religion bedarf und ob die Bevorteilung des Christentums gegenüber anderen Religionen noch legitim ist.

 

Die Religionsfreiheit in Deutschland und den USA

Die Bevölkerung der USA ist im Vergleich zur deutschen wesentlich religiöser. Dennoch scheint die Religion dort weniger Einfluss auf das Staatswesen zu nehmen, als dies in Deutschland der Fall ist. Worin liegen also die Unterschiede im Umgang mit der Religion zwischen den USA und Deutschland?

In Deutschland versteht man unter der Religionsfreiheit einen umfassenden Schutz der freien Ausübung einer Religion. Dieser Schutz ist jedoch weit gefasst, wodurch das Problem entsteht, dass Eingriffe in die Religionsfreiheit begründet werden müssen. Die Religionsfreiheit in Deutschland genießt sogar einen privilegierteren Schutz als es die Meinungsfreiheit tut. Ein Handeln fällt jedoch erst dann unter die Religionsfreiheit, wenn dieses religiöse Verhalten auf institutionelle Verhaltensanforderungen zurückgeführt werden kann. Das bedeutet, dass es von Religionsgemeinschaften oder religiösen Institutionen auch als religiöse Handlung anerkannt werden muss. Ob es sich jedoch tatsächlich um eine Religion handelt und dementsprechend das Verhalten auch als religiös zu beurteilen ist, wird erst von einem Gericht überprüft. Durch diese institutionelle Vorgehensweise entsteht jedoch ein Druck, der die Gläubigen dazu zwingt, sich zu einer Organisation zusammen zu schließen.

Des Weiteren stammt die Religionsfreiheit im deutschen Grundgesetz noch aus einer Zeit, in der dieser Artikel vor allem mit Berücksichtigung auf die christlichen Mehrheitskirchen verfasst wurde. Weswegen jener Artikel im Grundgesetz nicht auf religiöse Minderheiten und religiös motiviertes Individualverhalten ausgerichtet ist, was zweifellos zu Problem führen wird, bei einer zunehmenden Ausdifferenzierung und Pluralisierung der Religionen und religiösen Lebenswelten.

In den USA ist die Religionsfreiheit durch das „first amendment“ gesichert, die in Form der „exercise clause“ die Religionsausübung und in der „establishment clause“ die institutionelle Freiheit der Religionsgemeinschaften garantiert. Dabei schützen diese Artikel die Minderheit vor der demokratischen Mehrheit, indem die Mehrheit keine Gesetze schaffen darf, die eine Religion entweder privilegiert oder eine andere diskriminiert. Zudem wird die Religionsfreiheit durch eine staatliche Neutralität gewährleistet,  in dem Staat und Religion nicht miteinander vermischt werden dürfen, sondern die organisatorische Selbstständigkeit beider gewährleisten bleiben muss. Demnach wird klar zwischen der individuellen und der kollektiven Dimension unterschieden, weswegen Glaubensfreiheit und Religionsausübung unterschiedlich behandelt werden. Zudem wird dort, durch das „first amendment“, die Meinungsfreiheit stärker gewichtet und strenger geschützt als die Religionsfreiheit.

 

Religionsfreiheit am Beispiel von Feiertagen

Auf das Recht der freien Religionsausübung und der Gleichberechtigung aller Religionen wird sich vielfach berufen, wenn es darum geht, seine religiösen Rechte, z.B. religiöse Feiertage, durchzusetzen. So forderte die türkische Gemeinde in Deutschland bspw. allen Kindern an einem hohen muslimischen Festtag Schulfrei zu geben. Auch der Generalsekretär des Zentralrats der Juden sprach sich schon einmal für einen jüdischen Feiertag im Schulkalender aus, an dem alle Schüler frei hätten. Dem entgegnen jedoch, wen wundert es, die Vertreter der christlichen Kirchen, wie Bischof Wolfgang Huber, der  den Vorschlag ablehnte. Er begründete dies mit dem Vorrang für christliche Feiertage in der Kultur unseres Landes.

Es stellt sich jedoch die Frage: Darf es in Deutschland, angesichts der stetig wachsenden Zuwanderung und Pluralisierung der Gesellschaft, überhaupt noch einen Vorrang bzw. eine Privilegierung irgendeiner Religion geben? Während es in Deutschland sechs christliche Feiertage gibt, die für die gesamte Bundesrepublik gültig sind und zusätzlich sieben weitere, die je nach Bundesland als Feiertage gehandhabt werden, ist die Anzahl der religiösen Feiertage in den USA, obwohl es dort wesentlich mehr und strengere Gläubige gibt, lediglich auf einen beschränkt – und zwar den „christmas day“. Und ob es sich dabei noch um einen christlichen Feiertag handelt, oder nicht doch eher um eine nationale Neuinterpretation in Form eines amerikanisch-säkularen Weihnachtens als weltliches Fest, sei dahingestellt. Jedenfalls wäre eine Bevorzugung einer religiösen Mehrheit durch den Staat unmöglich in den USA, weshalb der „christmas day“ auf irgendeiner Weise im Einklang mit dem „first amendment“ zu stehen scheint.

Doch wie kann diese Ungleichheit oder Bevorzugung der christlichen Kirche in Zukunft noch legitimiert werden? Insbesondere die zunehmende Migration aus Ländern, die nicht dem europäischen Kulturkreis angehören, drängt Deutschland immer weiter dazu, neue Konzepte des Zusammenlebens zu entwickeln. Man muss also über neue Formen der Staat-Religion-Beziehung nachdenken, die es ermöglichen, den Staat von sämtlichen Religionen zu trennen und so, durch absolute Säkularität, gleiche Rechte und Chancen und Gleichberechtigung für alle Religionsgemeinschaften zu ermöglichen.

Die Fokussierung der Religionsfreiheit, aus juristischer Sicht, auf die institutionelle Ebene wird zunehmend Probleme, Konflikte und eine Überlastung der Judikative mit sich bringen. So wird ein religiöses Verhalten erst dann mit der Religionsfreiheit legitimiert, wenn sie institutionell verfestigt ist, es also eine Institution gibt, die eben dieses Handeln für jenen Gläubigen vorschreibt. Doch gibt es immer mehr Religionen bzw. Gläubige, die sich nicht klar zu einer Organisation oder Institution zurechnen lassen und es daher schwierig wird, die Legitimität des abweichenden Verhaltens durch die Gerichte zu überprüfen.

Die Zunahme von christlichen Freikirchen und Sekten, die in Deutschland immerhin einen Teil von 3% einnehmen, ist nur ein Beispiel. Auch die steigende Anzahl der Buddhisten (0,3%) und Hindus (0,12%) sowie neureligiösen Gemeinschaften und esoterischen Gruppierungen,  die einen Anteil von 0,8% einnehmen, zeigt deutlich die religiöse Ausdifferenzierung der Gesellschaft (Religionsmonitor 2007). Daher denke ich, dass dieser institutionelle Ansatz der Religionsfreiheit irgendwann an seine Grenzen stoßen wird, spätestens, wenn es zu klären gilt, was eine Religion ist und was eben nicht. Doch wie können neue Ansätze und Lösungsmöglichkeiten für die Zukunft aussehen, die sowohl die Religionsfreiheit als auch die Trennung von Staat und Religion/Kirche und somit die Gleichheit und Gleichberechtigung aller Religionen wahren?

 

Lösungsansätze

Die erste Maßnahme sollte darin liegen, sich näher an den USA und deren strikte Trennung von Staat und Religion zu orientieren, als auch an den größeren Stellenwert, den staatliche Feiertage dort haben. Daher plädiere ich für die Trennung von religiösen Festtagen und staatlichen Feiertagen in Deutschland und würde stattdessen zwei Möglichkeiten zur Umgestaltung und Reformierung der Feiertage in Deutschland vorschlagen.

Die erste Möglichkeit wäre, zusätzliche staatliche Feiertage anstelle der religiösen Feiertage zu schaffen, die auf den Gründungsepos der Bundesrepublik Deutschland beruhen und somit jeden hier lebenden Menschen tangieren. Als Beispiele wären hier der 23. Mai zu nennen, der an die Gründung der BRD 1949 erinnern soll oder auch der 8. Mai, der bereits in der DDR als „Tag der Befreiung“ gefeiert wurde. Denkbar wäre auch die Schaffung eines neuen Feiertages, der eben jene Vielfalt in Deutschland aufgreift  z.B. ein „Tag der Vielfalt“ oder „Tag der Kulturen“, der genau das betonen würde, was Christian Wulff mit seiner Rede wohl zum Ausdruck bringen wollte.

Die zweite Möglichkeit wäre das Abschaffen sämtlicher religiöser Feiertage und einer neuen Regelung der Urlaubs- und Ferientage, sodass jedem Erwerbstätigen bspw. eine bestimmte Anzahl zusätzlicher Urlaubstage rechtlich und/oder vertraglich zugesprochen werden, die ihm zur Ausübung seiner Religion zur freien Verfügung stehen. In den Schulen wäre diese Regelung dann mit einer bestimmten Anzahl an frei verfügbaren Urlaubstagen pro Schuljahr umzusetzen, sodass alle Schüler an ihren jeweiligen Festtagen Schulfrei bekommen können. Dies setzt allerdings eine gewisse Kulanz und Verständnis der Arbeitgeber und Schulen voraus, die erst durch einen öffentlichen Diskurs und mediale Information geschaffen werden kann. Dies wäre eine Möglichkeit, wie in Zukunft ein einfacher, unbürokratischer und gerechter Umgang mit den Religionen in einem pluralistischen, demokratischen und hoffentlich bald säkularen Staat möglich wäre, sodass es nicht zu einer gesellschaftlichen Spaltung und Umbruch der sozialen Ordnung kommt, sondern zu einem Mehr an Gleichheit und Gleichberechtigung aller.

8.12.12 20:28, kommentieren

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Ein Staat ohne Glauben? Über die „politischen Religionen“

Rein zufällig stieß ich auf einen Artikel der ZEIT online mit dem Namen „Ohne Glaube ist kein Staat zu machen“ in dem Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse mit einigen, nun ja sagen wir, fragwürdigen Thesen die Relevanz der Religion und des Glaubens für den deutschen Staat zu erläutern versuchte.

Gleich zu Beginn kommt Thierse mit der altbekannten These daher, dass es in der DDR keinen Religionsunterricht gab und „siehe da, das Ding ging unter!“. Ich hoffe sehr, dass unser Bundestagsvizepräsident sich da nur ein wenig missgünstig ausgedrückt hat und eigentlich etwas anderes damit zum Ausdruck bringen wollte. Denn tatsächlich zu behaupten, dass ein autoritärer Staat wie die DDR aus Gründen der Religionslosigkeit zum Scheitern verurteilt war und all die Unmenschlichkeiten auf eben jene Religionslosigkeit zurückzuführen ist, wäre schon ein ganz harter Knochen.

Aber diese Gelegenheit nutzt Herr Thierse, um weiter auf den Zusammenhang von totalitären Staaten und Religionslosigkeit aufmerksam zu machen und erwähnt hier Namen weiterer „religionsloser Verbrecher“ wie Hitler, Stalin oder Mao Zedong. Er unterliegt dabei jedoch dem klassischen Fehler, Religionslosigkeit mit Gottlosigkeit zu verwechseln.  Aber da ist er beileibe nicht der einzige. Denn was alle totalitären Regime des 20. Jahrhunderts gemein hatten, war ihre religiöse Struktur. Man kann daher auch von „politischen Religionen“ sprechen, deren Höchstform sich in der Gestalt des Nationalsozialismus offenbarte. Hitler oder das NS-Regime daher als religionslos zu bezeichnen, widerspricht den tatsächlichen Fakten. Kaum ein anderes totalitäres Regime wies so viele religiöse Strukturen auf, wie Hitlers NS-Regime(Heutzutage evt. noch Nord-Korea).

 

Kriterien einer Religion

Politische Religionen und Offenbarungsreligionen weisen deutliche Gemeinsamkeiten in ihrer Struktur und Organisationsform auf und sind zu dem vom eigentlichen Glauben an irgendetwas zu differenzieren. Religionen im Allgemeinen weisen Folgende Kennzeichen auf, die in dieser oder einer ähnlichen Form, bei jeder Weltreligion oder politischen Religion zu finden sind:

  • Glaubensgrundsatz: Am Anfang jeder Religion steht die Idee. An was soll geglaubt und für was gekämpft werden (Der göttliche Auftrag/ Die Vorsehung)? Mit welchen Versprechen und welchen Strafen setzen wir diesen Glauben um (Paradies/Hölle)? Wie sehen die Gebote und Verbote aus (Befehl/Gehorsam)? Und welche Vorteile habe ich, wenn ich mich ihr anschließe und unterwerfe (Ewiges Seelenheil/Erlösung)? Die Analogien zum 3. Reich werden schnell deutlich, wenn man die Begriffe wie göttlicher Auftrag, Hölle, Seelenheil, Befehl und Gehorsam im Kontext des NS-Regimes und Hitlers Reden betrachtet.
  • Heilige und Propheten: Jede Religion hat natürlich auch seine Heiligen, die Propheten, die Erlöser, die als transzendentales Medium zwischen „Himmel und Erde“ fungieren. Durch Sie wird der Wille, der göttliche Auftrag und die Gebote an die Gemeinschaft übermittelt. Ihr heiliger Status ist unantastbar und das Infragestellen der geistigen Führer gleicht der Blasphemie. Sie sind Gottes Vertreter auf Erden (Papst, Mohammed, Jesus, Hitler).
  • Verbreiten der Glaubenslehre: Die Worte der Propheten werden natürlich auch weiterverbreitet. Meist passiert dies in einem eigenen „Glaubensunterricht“ mit eigens zusammengestellten „heiligen Schriften“, die die Lehre und die Offenbarung an die Gemeinschaft herantragen und von diesen internalisiert werden. Oft geht dies zugleich einher mit dem Eleminieren anderer Glaubensschriften oder Schriften, die die Offenbarungen negieren würden (Bücherverbrennung durch die Inquisition und die Nazis). Ähnliches passiert häufig auch mit denjenigen, die sich dieser Offenbarung zu entziehen versuchen oder gar gegen sie kämpfen.
  • Tempel und Monumente:  Da die Propheten schließlich auch zu ihrer Glaubensgemeinschaft sprechen und predigen wollen, werden wahrliche Monumente erbaut, die schon vom bloßen Anblick her jeden Zweifel an der Lehre versiegen lassen (Petersdom, Sabancı-Zentralmoschee, Sportpalast, Salt-Lake-Temple). Diese Monumente oder Tempel sind zudem ein Ausdruck von der Ewigkeit ihrer Macht. Nichts beteuert die Unendlichkeit so sehr, wie ein Tempel oder ein Monument aus unvergänglichen Baumaterialien wie z.B. Stein oder Gold (Man denke hier einmal an die Pläne von Hitlers „Germania".
  • Symbolik: Eines der wichtigsten Attribute einer jeden Religion sind ihre Symbole. Sie dienen dazu, den Glauben nach außen hin zu präsentieren und den Herrschaftsbereich klar zu kennzeichnen. Zudem bieten sie eine identifikationsstiftende Funktion. Jeder Träger des Symbols identifiziert sich zugleich mit einer Gemeinschaft. Des Weiteren werden Symbole oft in diverse Rituale und Zeremonien mit einbezogen (Kreuz, Mondsichel, Davidstern, Hakenkreuz).
  • Rituale und Zeremonien: Wie schwört man am besten eine Gemeinschaft auf einen Glauben ein? Durch Rituale! Rituale schweißen die Glaubensgemeinschaft fester zusammen, stärken das Wir-Gefühl und halten den Glauben stetig am Leben. Zudem können Zeremonien eine Art mystische Atmosphäre  erzeugen, die den „Auserwählten“ mit einer heiligen Aura umhüllt und so für ein Gefühl der „göttlichen Erhabenheit“ bei der Gemeinde auslöst. Als Beispiel für die Ähnlichkeit zwischen nationalsozialistischen Zeremonien und denen der katholischen Kirche führt Christian Dube in seinem Buch „Religiöse Sprache in Reden Adolf Hitlers“  die katholischen Messe auf:

Nationalsozialismus

Katholische Messe

Fahneneinmarsch

Besteigen des Altars

Fahnenlied

Introitus

Fahnenspruch und Hymne

Kyrie und Gloria

Aufruf und Rede des Führers

Schriftlesung und Ansprache

Bekenntnis

Credo

dreimaliges „Sieg Heil!“

Schlußresponsorium (Dominus vobiscum – Deo gratias)

        

  •  Herrschaftssystem und Sicherung der Macht: Wer sich die Religionen der letzten 2000 Jahre anguckt, wird sehr schnell merken, dass hinter diesen Institutionen und Organisationen stets das Machtinteresse von einigen wenigen Menschen stand. Religionen sind Herrschaftssysteme der effektivsten Art. In keiner anderen Organisationsform wird eine undurchdringbare Hierarchie, ein absoluter Wahrheitsanspruch, eine Heilsversprechung, das Androhen von Strafen bei Ungehorsam und das Sterben für eine höhere Sache so bedingungslos von ihren Anhängern hingenommen und angenommen. Wie kann ein Volk noch einfacher regiert werden, wenn nicht mit der Angst vor den ewigen Höllenqualen? Auch der Missionierungs- und Expansionsdrang mit allen verfügbaren Mitteln verdeutlicht das Machtinteresse der Religionen.
  • Solidarische (Volks)Gemeinschaft: Und zu guter Letzt braucht jede Religion natürlich auch noch eine Glaubensgemeinschaft, die solidarisch organisiert und in sich geschlossen ist. Auf diese Weise entsteht ein Schließungsprozess, der „die Unsrigen“ von „den Anderen“ abgrenzt. Dies ist zudem auch die Grundlage des Nationalismus und dementsprechend Fundament eines jeden Nationalstaates. Aus dieser Perspektive können auch im Nationalismus des 18ten bis 20ten Jahrhunderts religiöse Strukturen erkannt werden.

Religiöse und religionslose Staaten

Es soll nun nicht der falsche Eindruck entstehen, ich würde bspw. die Katholische Kirche direkt mit dem NS-Regime gleichsetzen! Hier soll es lediglich um die Darstellung von ähnlichen Organisationsstrukturen gehen, welche dazu verwendet wurden/werden, Menschen zu unterjochen und ein Herrschaftssystem zu legitimieren und zu festigen. Zudem sollte man diese eurozentrische perspektive einmal außen vor lassen und sich die Katholische Kirche bzw. deren Auswüchse und ihren Einfluss in Afrika und Süd-Amerika betrachten. Denn einen wie bei uns in Deutschland, und in den meisten anderen europäischen Ländern, durch die Aufklärung gezähmten Katholizismus gibt es dort nicht. Totalitäre Herrschaftsansprüche, Missachtung der Menschenrechte, Verfolgung von Minderheiten und archaische Familienstrukturen werden dort sogar mit der Religion legitimiert. Das gilt selbstverständlich nicht nur für die Katholische Kirche, sondern auch für den Islam und die Evangelikalen.

Der eigentliche Punkt dieser Gegenüberstellung von Religionen und politischen Religionen sollte zeigen, dass es nicht ganz der Wahrheit entspricht, wenn man bei den totalitären Regimen des 20ten Jahrhunderts von religionslosen Staaten spricht. Denn es lässt sich festhalten, dass diese totalitären Unrechtsregime die Kriterien einer Religion erfüllen und somit als „politische Religionen“ zu werten sind. Von religionslosen Regimen kann hier jedenfalls nicht die Rede sein. Viel mehr weisen jene Regime große Ähnlichkeiten zu solchen Staaten auf, die über eine Staatsreligion verfügen bzw. in denen religiöse Führer als Staatsoberhäupter agieren. In der Moderne sind dies insbesondere islamische Staaten wie der Iran, Pakistan oder Saudi-Arabien, an denen man erkennen kann, wie religiöse Staaten funktionieren und wie der Glaube der Menschen für die Machtgeilheit einiger weniger missbraucht wird und Staatenlenker zu Marionetten der Muftis und Glaubensführer werden.

 

Der "echte" religionslose Staat

Ist also im Umkehrschluss ein von religiösen Strukturen befreiter Staat die ideale Lösung für eine freiheitlich demokratische Gesellschaft? Nun, Wenn wir unter „befreit von religiösen Strukturen“ das Freisein von einer Glaubenslehre mit absoluten Wahrheitsanspruch und falschen Propheten, die diese „Wahrheit“ mit Feuer und Schwert in die Welt hinaustragen und so den Herrschaftsanspruch einiger weniger über die Mehrheit zu erreichen versuchen, dann ist diese Frage, so denke ich, zu bejahen. Denn nur auf diese Weise ist ein Zusammenleben in Freiheit, Gerechtigkeit, Gleichberechtigung und mit Menschenwürde überhaupt möglich. Überall dort, wo religiöse Strukturen im Staatswesen zu finden sind/waren, werden immer auch die Rechte von Menschen, egal ob Frauen, Homosexuelle oder Andersgläubigen, missachtet oder unterschiedlich bewertet.

Ich plädiere daher, im Gegensatz zu Thierse, für einen deutschen Staat frei von jeglicher Religion und religiösen Strukturen, der allein im Sinne der Aufklärung, der Wissenschaft und der Menschenrechte agiert und dementsprechend auch strukturiert ist. So soll die Gefahr vor einer Diskriminierung und Ausschließung anderer verhindert werden und auf Basis eines säkularen Grundgesetzes (das ist es bisher nämlich nicht, siehe: Präambel im GG) gesellschaftliches Zusammenleben unter einem humanistischen Wertekanon ermöglicht werden.

An dieser Stelle gibt es jedoch immer wieder den Einwand, dass selbst in rein säkularen, aufgeklärten und (natur)wissenschaftlich geprägten Staaten fundamentale Strukturen zu finden seien. Schließlich hat die Wissenschaft auch „Glaubensgrundsätze“, in Form von Naturgesetzen und Theorien, Propheten in Form von Wissenschaftlern und Lehrern und staatliche Schulen, Universitäten und Lehrbücher, um diese „Glaubensgrundsätze“ zu verbreiten. Quasi eine „Wissenschaftsreligionen“. Einen erheblichen Unterschied gibt es dennoch. Und zwar den Ewigkeitsanspruch, den wissenschaftliche „Glaubensgrundsätze“ (eigentlich) niemals haben (sollten)! Wissenschaft ist nämlich nicht der Glaube daran, die absolute Wahrheit zu besitzen, sondern der Glaube (im Sinne von Vermuten), dass etwas, was heute gültig ist, morgen schon wieder widerlegt sein kann.

1 Kommentar 2.12.12 19:08, kommentieren

Religionsunterricht oder Glaubenslehre – Schule als religionsfreie Zone?

Ich erinnere mich noch genau, als ich an meinem ersten Schultag den Stundenplan bekam, auf dem, neben mir bekannten Fächern wie Deutsch, Mathematik oder Sport, das Fach Religion stand. Als Kind aus einem nicht religiös geprägten Haushalt, obwohl getauft und in einen evangelischen Kindergarten sozialisiert, hatte ich nie wirklich Kontakt zur christlichen Glaubenslehre noch beschäftigte ich mich mit den Gedanken über Gott.

Nun könnte man meinen, dass der Religionsunterricht an deutschen Schulen ein aufgeklärter und reflektierter Unterricht über die unterschiedlichen Religion und Glaubensrichtungen dieser Welt sei. Oder anders: Man wird über die Religionen dieser Welt unterrichtet, wie es in unserem heutigen Zeitalter zu erwarten wäre. Was ich jedoch erleben durfte war keineswegs ein Unterricht über die Religionen, es war schlicht und einfach Glaubenslehre. Die Glaubenslehre der christlich-evangelischen Kirche, wie sie auch innerhalb ihrer eigenen Organisationen verbreitet und gelehrt wird.

Bestandteile des Unterrichts waren, neben den harmlosen Dingen wie Mandalas ausmalen und Weihnachtsdekoration basteln, auch das Singen von „Glaubensbekenntnissen“, dem darstellen von Meinungen als ewige Wahrheiten und natürlich dem Auswendiglernen der zehn Gebote. Selbstverständlich nur in der „harmlosen“ Variante, die jene „unchristlichen“ stellen weg ließ wie:

„Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott: Bei denen, die mir Feind sind, verfolge ich die Schuld der Väter an den Söhnen, an der dritten und vierten Generation“ (Ex 20,5)

Ja, die zehn Gebote, wer kennt sie nicht. Das Fundament unserer jüdisch-christlichen, abendländischen Tradition. Das Manifest der sozialen Ordnung und der Moral in unserer Gesellschaft. Von Gott gegeben, über Mose dem Menschen offenbart. So jedenfalls wurde es mir und wird es auch noch heute noch den Schülern an staatlichen Schulen vermittelt inklusive dem ewig klingenden Mantra: „Ohne Gott gäbe es keine Moral in unserer Gesellschaft!“.

 

Religion als Schulfach

Doch wenn Religion zum Schulfach wird, dann unterliegt dieses Fach auch den konventionellen Methoden der Bewertung und Benotung, als Nachweis über die erbrachten Leistungen. Doch wie soll eine solche Benotung innerhalb eines Religionsunterrichts, in dem Meinung als Wahrheit und Glaube als Wissen vermittelt wird, objektiv durchgeführt werden? Das würde bedeuten, dass diejenigen, welche die Lehre am gründlichsten internalisiert haben, die besten Bewertung erhalten. Eine wunderbare Vorstellung, wie wir mangelndes Reflexionsvermögen belohnen und auf diese Weise unkritische Bürger heranzüchten.

Es hat schließlich seine Gründe, warum der Politikunterricht in den meisten Schulen erst ab der 8. Oder 9. Klasse angesetzt ist. Denn vorher sind die meisten Schüler gar nicht in der Lage, sich eine reflektierte und eigene Meinung über ein solches Thema zu bilden. Und auch hier haben die Lehrenden ihre politische Neutralität zu wahren und ihre eigene Meinung nicht mit einfließen zu lassen. Der Religionsunterricht hingegen beginnt bereits ab der 1. Klasse.

Aber oft wird dem entgegnet, dass der Religionsunterricht der einzige Unterricht sei, in denen Kinder universelle Werte gelehrt bekommen und ihnen hier gezeigt wird, dass sie nur um ihrer Selbstwillen anerkannt, akzeptiert und geliebt werden … naja, zumindest solange sie nicht schwul sind. Denn da hört für die meisten Religionen der Spaß auch schon auf:

„Du darfst nicht mit einem Mann schlafen, wie man mit einer Frau schläft; das wäre ein Gräuel“ (Lev 18,22);Wenn jemand bei einem Manne liegt wie bei einer Frau, so haben sie getan, was ein Gräuel ist, und sollen beide des Todes sterben; Blutschuld lastet auf ihnen.“ (Lev 20,13).

Mir ist durchaus bewusst, dass nun die Stimmen jener wieder laut werden, die behaupten, dass sei nicht mehr aktuell und die Bibel würde heute ganz anders interpretiert werden und sowieso stammen diese Verse aus dem alten Testament. Dennoch frage ich mich, wie etwas so schreckliches und anti-humanistisches in einer „heiligen Schrift“ stehen kann, die doch immer wieder von einem barmherzigen und liebenden Gott erzählt? Des Weiteren stellt sich die Frage, wieso einige Stellen der „heiligen Schrift“ immer wieder uminterpretiert, verschwiegen oder ganz weggelassen werden dürfen, andere jedoch immer noch als ewige Wahrheiten hingenommen werden?

 

Die Patchwork-Religionen

Es wird zwanghaft versucht Geschichten, die dem heutigen Weltbild widersprechen, umzuinterpretieren und zu rechtfertigen. Meist heißt es dann, es wären nur „Metaphern“, „Symbole“ oder „Sinnbilder“, die man gar nicht so wörtlich nehmen dürfe, da sie von Menschen aus einer anderen Epoche geschrieben wurden. Merkwürdigerweise sind es aber auch nur Menschen aus einer bestimmten Zeit gewesen, die über die Existenz Gottes geschrieben haben. Und es sind auch nur Menschen aus unserer Zeit gewesen, die darüber entschieden haben, was „symbolisch“ zu verstehen ist und was tatsächlich so passiert sein soll.

So bastelt man sich also über die Jahre hinweg seine eigene Religion und nimmt nur das, was einem gefällt. All das Schlechte und Bösartige, was in den vergangenen 2000 Jahren im Namen Gottes millionen von Menschen widerfahren ist, lässt man einfach außer Acht. Im Grunde sind diese Gläubigen nichts weiter als „Patchwork-Christen“, die sich das herauspicken, was sie für gut halten. Mir persönlich sind da die fundamentalen Evangelikalen noch lieber, die nach dem Motto „ganz oder gar nicht“ wenigstens konsequent sind in dem was sie glauben. Dementsprechend sind sie auch leichter als das zu entlarven, was sie sind: unaufgeklärte Menschen mit dem Weltbild eines einfachen, 2000 Jahre alten Hirtenvolkes.

 

Religion innerhalb einer pluralistischen Gesellschaft

Aber ganz abgesehen von dem Streit zwischen: „Gibt es einen Gott oder gibt es ihn nicht?“ und „Soll meinen Kindern so etwas in der Schule lernen?“ werden wir im Laufe der Zeit zunehmend Probleme bekommen, einen staatlichen Religionsunterricht anzubieten, der lediglich zwei Konfessionen bedient. Zwar sind jetzt schon Versuche unternommen worden, islamischen Religionsunterricht ebenfalls anzubieten, doch dabei wird es nicht bleiben können.

Die aktuellen Zahlen über die sinkenden Mitgliederzahlen der christlichen Großkirchen und die dafür steigenden Zahlen der Freikirchen und anderen Religionen wie dem Hinduismus, Buddhismus oder esoterischer Sekten zeigt, dass es in einer sich zunehmend pluralisierenden multikulturellen Gesellschaft mehr und mehr Glaubensgemeinschaften geben wird, die ebenfalls ihre Rechte einfordern werden. Früher oder später auch an öffentlichen Schulen. So wird es irgendwann nicht mehr möglich sein a) nur noch christlichen und evt. islamischen Schulunterricht zu legitimieren und b) tatsächlich für jede dieser Religion einen Unterricht einzurichten und zu organisieren.

Der Gedanke der dahinter steht bzw. der Weg, wie man versucht Gleichberechtigung zwischen den Religionen zu schaffen ist meiner Meinung nach ein falscher. Man versucht momentan, die anderen Religionen, auf dieselbe Stufe zu bringen, wie die christlichen Großkirchen. Aus den oben beschrieben Gründen wird das aber nicht möglich sein. Was wir brauchen ist eine Gleichberechtigung auf der untersten Ebene! Das bedeutet, die Abschaffung sämtlicher Privilegien der christlichen Großkirchen inklusive staatlicher Förderung. Nur auf einem kleinsten gemeinsamen Nenner können wir das gleichberechtigte Existieren der verschiedensten Religionen in Deutschland ermöglichen.

Ein Beispiel für einen solchen Fall wäre die USA in der Staat und Religion wesentlich strenger getrennt sind als in Deutschland und eine Privilegierung einer Religion undenkbar ist. Daher plädiere ich für die absolute Entkopplung der Kirche aus allen staatlichen Angelegenheiten und Einrichtung und umgekehrt.

 

Vorschläge eines zeitgemäßen Religionsunterrichts

Nichts desto trotz soll den Schülern und Schülerinnen etwas ÜBER Religionen beigebracht werden und sie sollen zu dem etwas über eine humanistische Moral und Ethik sowie über die Sinnerfüllung des Lebens lernen. Jedoch eignet sich dafür der konventionelle Religionsunterricht nicht. Für diesen Zweck gäbe es bessere alternativen, die zu dem die nachfolgenden Kriterien und Ziele erfüllen können:

Ziele:

  • Sinnlehre statt Sinnleere: Persönliche Sinnsuche frei von Dogmen
  • Schärfen des kritischen Denkens und Hinterfragens
  • Offene Auseinandersetzung mit Moral, Ethik und sozialen Normen
  • Lehre über verschiedene Religion in einem historischen Kontext
  • Unterstützung bei der Gestaltung eines Lebens nach humanistischen Idealen

Kriterien:

  • Frei vom Einfluss nicht-staatlicher Institutionen
  • Neutrale Lehrkräfte
  • Keine Privilegierung einer Konfession oder eines Glaubens
  • Pflicht für alle Kinder, unabhängig von ihrem Glauben

 

Wie kann also ein „Religionsunterricht“ in Zukunft gestaltet werden? Es gibt bereits einige Modelle, die solche Alternativen anbieten. Es könnte beispielsweise ein Philosophieunterricht bereits ab der 1. Klasse (natürlich dem Alter entsprechend) zum Pflichtfach gemacht werden, der all diese Ziele erfüllen könnte. Oder ganz schlicht „Humanismus“ als Fach, was dieselben Ziele und Kriterien erfüllen würde wie Philosophie, nur nicht ganz so „altbackend“ für die Schüler rüberkäme. Auch ein Weltkundeunterricht wäre denkbar, der zumindest die Lehre über die Religionen, deren Geschichte und heutige Bedeutung abdecken würde. Dieser Teilbereich der Religionen könnte aber auch einfach im Geschichtsunterricht stärkere Aufmerksamkeit erfahren und dann durch ein Fach wie Philosophie, Humanismus oder ganz einfach „Leben“ ergänzt werden, in dem sowohl die Sinnfrage als auch Moral und Ethik behandelt werden.

Das wären alles Modelle, mit denen man sich loslösen könnte von diesem leidigen Ausdruck des „Religionsunterrichts“, der für viele Menschen bereits negativ konnotiert ist. Des Weiteren würden so alle Kinder gemeinsam über dieselben Werte unterrichtet werden. Auf diese Weise würde ein gemeinsamer Wertekanon geschaffen werden, der die Schüler für ein Leben in einer pluralistischen Gesellschaft wappnet und so zum Gelingen eines friedlichen Miteinanders beitragen könnte.

 

 

25.11.12 17:49, kommentieren

Im Anfang war das Wort…

Lange habe ich überlegt, ob ich tatsächlich einen Blog schreiben sollte oder lieber nicht. Wer würde das überhaupt lesen? Und wen würde es schon interessieren, was ich zu sagen habe? Das Internet quillt ja gerade nur so über vor lauter Blogs irgendwelcher Leute, dass man den Eindruck gewinnen könnte, dass es ein unheimlich großes Mitteilungsbedürfnis der Menschen zu geben scheint. Schließlich hat heutzutage jeder zu allem eine Meinung, doch die wenigsten hören wirklich zu, was andere zu sagen haben.

Es gibt jedoch so viele Themen, über die es zu schreiben und zu diskutieren lohnt, die uns alle betreffen, so dass ich beschloss doch einen Blog zu starten. Denn gerade die Religion und die Religionspraktiken sind oft ein emotional aufgeladenes Thema, welches nur sehr schwer rational zu diskutieren ist. Nur allzu schnell werden hier „religiöse Gefühle“ verletzt oder die Angst vor der Einschränkung der eigenen Religionsfreiheit schlägt um sich und der Diskurs endet mit dem mahnenden Zeigefinger auf dem Grundgesetz.  

Dennoch leben wir in einer multikulturellen und pluralistischen Migrationsgesellschaft, in der das gleichberechtigte Zusammenleben von Menschen unterschiedlichster Kulturen, Religionen, Werten und Meinungen organisiert werden muss, ohne dass der soziale Frieden dadurch gefährdet oder eine Gruppierung privilegiert oder diskriminiert wird.

Es muss sich also auf einen gemeinsamen Wertkanon geeinigt werden, auf dessen Basis gemeinschaftliches und friedliches Zusammenleben möglich ist. Im Fall Deutschlands ist dies das Grundgesetz, welches jeder Bürger stillschweigend, dadurch dass er hier lebt, anerkennt und akzeptiert. Jedoch kommt es immer wieder vor, dass religiöse Praktiken mit den Gesetzen oder gar mit dem Grundgesetz kollidieren. In solchen Fällen wird dann abgewogen, welches Recht als schützenswerter zu erachten ist(z.B. Meinungsfreiheit vs. Religionsfreiheit)  

Ich halte es daher für äußerst wichtig, dass möglichst viele Menschen sich Gedanken zu diesem Thema machen und religiöse Praktiken als auch Rechtsprechungen kritisch hinterfragen. Denn auf die eine oder andere Weise wird dieses Thema jeden irgendwann im Leben einmal tangieren. Sei es bei der Kirchensteuer, der Abschaffung oder Erweiterung von religiösen Feiertagen (Ramadan, Jom Kippur), Religionsunterricht an staatlichen Schulen, Kopftuch und Kruzifix Verbot in öffentlichen Einrichtungen, Körperverletzungen unter dem Deckmantel religiöser Traditionen oder die Einschränkung der Meinungsfreiheit durch verletzte „religiöse Gefühle“.

Schließlich liegt es an uns, der Intoleranz, dem Fundamentalismus, der Inhumanität der Diskriminierung und der Unterdrückung entgegen zu treten und den Intoleranten, die ein gleichberechtigtes Miteinander und die Wahrung der Grundrechte aller Menschen gleichsam verhindern, keine Toleranz mehr zu zollen. Lasst uns also gut 200 Jahre Aufklärung und Kampf um die Menschenrechte nicht so leichtfertig durch unsere eigene Bequemlichkeit aufs Spiel setzen. Oder wie es Karl R. Popper sagte:

"Im Namen der Toleranz sollten wir daher das Recht beanspruchen, die Intoleranz nicht zu tolerieren"
Karl R. Popper, Die offene Gesellschaft und ihre Feinde, Band I, Bern 1957, S. 268

 

Es sollen daher möglichst regelmäßig Artikel zu aktuellen als auch altbekannten Auseinandersetzungen mit der Religion verfasst werden, die die Problematik des Glaubens im öffentlichen Leben diskutieren und hoffentlich auf eine breite und interessierte Leserschaft treffen.

Des Weiteren werde ich unter Literaturtipps nach und nach Bücher, Artikel oder Essays vorstellen, die thematisch zu diesem Blog passen und es m.E. nach wert sind, gelesen zu werden und wertvolle Denkanstöße zum Thema Religion und Gesellschaft geben können.

Näheres über mich, wer ich bin, was ich bin und was ich eigentlich will, findet ihr HIER .

 

Und nun viel Vergnügen auf meinem Blog!

19.11.12 20:05, kommentieren